Tradition und Geschichte

STANKA
1936/38 – 1962

Karaffe mit Gläsern mit Muster
Logo Stanka
Schleifer

In der Zeit zwischen 1936 bis 1938 gründete Emanuel Stank in böhmisch Kamnitz die Glasraffinerie Emanuel Stanka. Er arbeitete vorher schon eine ganze Weile im Glasgeschäft. So war Emanuel gemeinsam mit Herrn Eschler und Herrn Hoffmann in Falkenau in Böhmen tätig. Herr Hoffmann richtete zur Gründung des neuen Glasveredelungsbetriebs die Kugelei ein und arbeitete im Weiteren für Stankas Firma. In Böhmen war es üblich, dass Glasveredelungsbetriebe mit selbstständigen Schleifern kooperierten, die das Glas in Heimarbeit schleifen. Emanuel Stanka beschäfigte selbst eine große Anzahl dieser Heimarbeiter.

In der Zeit während des Zweiten Weltkrieges fertigte die Glasraffinerie in erster Linie Toilettengarnituren. Die Sets bestanden oft aus einem Zersteuber, einem Flacon und einer Puderdose. Die Produkte konnte man jedoch auch einzeln erwerben. Meist wurden die Waren aus Bleikristallglas oder reinem Kristallglas gefertigt. Mit goldenen, roten oder schwarzen Farbflächen dekorierte Stanka diese Produkte. Einige Toilettensets waren jedoch in farbigem Glas gestaltet – rosa antique.

Die Toilettensets sind in einem für die damalige Zeit modernen Stil gehalten. Eine klare, schnörkellose Formensprache, mit klaren Schliffen und geometrischem, farbigen Dekor. Im selben Stil sind ebenfalls die Likörsets, welche Stanka in dieser Zeit anbot, gehalten. Diese setzten sich aus einer Flasche und einem dazugehörigen Becher bzw. Kelch zusammen.

Nach dem Ende des Krieges waren die böhmischen Glasfirmen in der „Nationalen Verwaltung der Glasraffinerien in Steinschönau“ organisiert. Diese Organisation wurde am 01.01.1947 in den VEB Borské sklarny n.p. überführt. Emanuel Stanka hatte sich dieser Vereinigung ebenfalls angeschlossen.

Im Jahr 1947 wurde Emanuel Stanka nach Deutschland vertrieben und siedelte im September 1947 in Rheinbach bei Bonn an. In dieser Region trafen sich viele böhmische Glasmacher und begannen dort Ihre Industrie neu aufzubauen. Dies wurde im Zuge des Wiederaufbau Deutschlands durch den Marshallplan unterstützt. So erhielt auch Emanuel Stanka mehrere Kredite aus dem European Recovery Program.  Mit diesen Mitteln konnte der findige Glasmacher sein Geschäft neu beleben.

1948 lebte und produzierten Emanuel Stanka in der Koblenzerstraße 4a in Rheinbach. Zu seinem Haushalt gehörten damals neben seinen fünf Familienmitgliedern 16 weitere Angehörige von den fünf ausgebildete Fachkräfte waren. Im selben Jahr brachte die Glasraffinerie ihre erste Preisliste aus. Stanka stellte in erster Linie Vasen, Krüge, Becher, Likörflaschen und Kompottschalen her. Die Formen entsprechen dem typisch böhmischen Kanon. Die meisten Gefäße sind mit Blumenornamenten, Liniennetzen, oder einfachen Schliffen  dekoriert.

Die Wiederaufbau seiner Firma gelang Stanka innerhalb kurzer Zeit. So erweiterte er bis 1950 sein Sortiment. Neben den bekannten Produkten wendete sich Stanka vor allem der Gestaltung neuer Trinkglasserien zu. Neben einer Cognacschwenkerserie und der Becherserie Antoinette entwarf Stanka auch unsere heutigen Serien das Adels-Service, die Kurfürstengläser und die Form Maria Theresia. Die Serie Maria Theresia unterschied sich jedoch in ihrer damaligen Form etwas von der heutigen. Der Stiel und Fuß sahen schon damals aus wie unsere heutigen Gläser. Die Kuppa war hingegen noch mit einer streng konischen Wandung versehen.

Neben diesen klassischen Produkten entwickelte Stanka auch zwei Neuheiten. Die Karaffen mit Schloßstopfen und die Wiener Weinsätze. Bei den Wiener Weinseätzen handelt es sich um Weinheber. In einer Karaffe, die in einem Metallgestell aufgehängt ist, kann der Wein durch einen Ausguß direkt in das darunter befindliche Weinglas gegossen werden.

Die Karaffen mit Schloßstopfen sind durch diese Besonderheit verschließbar. Das Produkt mit dem Namen “Vaters Geheimnis” besitzt einen Buchstabencode, welcher den Stopfen verriegelt. Eine zweite Karaffe wird von einem Stopfen mit dazugehörigen Schlüssel verschlossen.

Das Geschäft von Emanuel Stanka lief so gut, dass er ab 1953 auch an bekannten Fachmessen teilnahm. Im Jahr 1962 setzte sich der Firmengründer nach und nach zur Ruhe und übergab den Betrieb an die Familie John.

JOHN
1962 – 1999

Pott Werbung zur Zeit von Familie John
Schleifer
Pott Werbung zur Zeit von Familie John
Bläser

Im Jahr 1962 zog sich Emanuel Stanka aus dem aktiven Arbeitsleben zurück. Seine Glasraffinerie übergab er an die Familie John: Cläre und Rudolf John. Rudolf John stammt aus Blottendorf in Böhmen. Seine Familie weist eine große Tradition in der Glasmacherindustrie auf. So besaß man zwischen 1906 bis 1945 die Firma Emil Schiffner und seit 1941 die Clarahütte.

Die Familie John setzte die Marke E. Stanka bewusst in die Tradition der nordböhmischen Glasmacherkunst. Dadurch führte die Familie John die Marke John zu großem Weltruhm. So nahm man an den großen Produktschauen in Deutschland wie in Frankfurt a. M., Hannover und Leipzig, wie auch Messen im Ausland wie in Frankreich, Japan und den USA teil. Im Weiteren exportierte die Firma Stanka nach Westeuropa, in die USA, nach Venezuela und Japan.

Das Sortiment wurde nach und nach auf große Trinkglasserien umgestellt. Dies spiegelte sich auch in dem durch Rudolf John neuentwickelten Firmenloge wieder. Es stellte die Form des Adels-Service in den Vordergrund. Man bot die bekannten Glasserien, wie das Adels-Service mit neuen Schliffformen, wie dem Diamantenschliff an. Das Service Maria Theresia formte man etwas um. Die Konische Kuppa wurde gegen eine gewölbte ausgetauscht. Dieses neu gestaltete Service bieten wir auch heute noch an. Die Serie mit der konischen Wandform vertrieb die Firma unter dem Namen Prinz Eugen weiter. Darüber hinaus wurden folgende Glasserien angeboten: Maria Antoinette, Kurfürstengläser, Royal, Britania und Alt Wien. Neben den Glasreihen gehörten Likörserien mit Flaschen und Bechern, Vasen, Schalen und Kerzenleuchter zur Warenpalette von E. Stanka.

Die Gläserei Stanka zeichnete sich auch für Ihre hervorragenden Gravuren aus. Die beiden Sonderanfertigungen „Mozartvase“ und der „Beethoventeller“ sind außergewöhnliche Beispiele hierfür. Diese Stücke waren so wertvoll, dass ein pfiffiger Dieb die Mozartvase auf der Hannovermesse 1968 gestohlen hat.

Der Vertrieb von E. Stanka wurde unter anderem durch Handelsvertreter durchgeführt. Diese besuchten die Kunden, um vor Ort die neuesten Produkte vorzustellen. Man besaß jedoch auch zahlreiche Werbepartner. Für deren Anzeigen stellte die Raffinerie Gläser für Werbeaufnahmen zur Verfügung. Zu diesen Partnern gehörten unter anderem der Pottrum, die ägyptische Zigarettenfirma Finas, der Vitamindrink von Schneekoppe und die Zigarettenfirma Reemsta.

Auf Grund der verschiedenen Marketingstrategien der Familie John erlangt die Marke Stanka großen Ruhm. So gehörten folgende, prominente Kunden zu dem Kreis der Käufer dieser Gläser: Herzog Max in Bayern – der ehemalige Stabschef im Weißen Haus, Donald Regan, das Schloß Vaduz in Liechtenstein, Tiffanys in New York, die deutsche Botschaft in London und New Delhi, das Bundespräsidialamt, der Deutsch Bundestag, die ständige Vertretung der BRD in den USA, der Heilige Stuhl – die Botschaftsresidenz in Rom und der Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen.

Anfang der 1980er Jahre gewann die Glasraffinerie E. Stanka die Ausschreibung des Auswärtigen Amtes zur Neuausstattung des Schlosses Augustusburg in Brühl mit einem Glasservice. 320 Stücke des Adels-Service wurden seitdem für verschiedenen Staatsempfängen genutzt. So tranken neben der Queen Elizabeth II., König Albert II von Belgien, Michail Gorbatschow und Nelson Mandela verschiedene Größen aus Politik und Gesellschaft aus unseren Gläsern.

Aus Altersgründen gab die Familie John Anfang des Jahres 1999 die Firma Emanuel Stanka auf. Man verkaufte die Marken und Produktrechte mit Wirkung zum 01.03.1999 an die Familie Görner.

GÖRNER
1999 – 2018

Adels - Service Gedeckter Tisch
Logo Famile Görner
Adels - Service mit Gravuren

Am 01.03.1999 ist die Firma Emanuel Stanka auf die Familie Görner übergegangen. Schon am 02.12.1998 wurde dieser Übergang im Handelsregister eingetragen.

Herr Görner selbst ist seit den 1970er in der Glasindustrie tätig. Er hat auch zeitweise für die Familie John in Rheinbach gearbeitet. In anderen Glasveredelungsbetrieben erlangte er verschiedene Kenntnisse über Glasschliff und Gravur. Zum Zeitpunkt des Firmenübergans war Herr Görner in einer Glasschleiferei in der Nähe von Kassel tätig. Die Firma E. Stanka wurde in Fudaltal angesiedelt.

Die Familie Görner hat Teile der Produktion selbst übernommen. Als erfahrener Glasschleifer bestellte man in Glashütten die Rohglasware. Den Schliff der Gläser hat man selbst durchgeführt.

Im Laufe der Jahre wurde die Produktpalette stark reduziert. Mit der Marke Stanka haben sich die Görners auf die drei Hauptlinien das Adels-Service, die Kurfürstengläser und das Service Maria Theresia konzentriert. Gravuren blieben weiterhin ein wichtiger Bestandteil des Produktangebotes. Erweitert wurde dieses um verschiedene Services. So konnten die Kunden beschädigte Gläser einsenden. Diese wurde entweder neu abgeschliffen, oder gar komplett umgeformt. Das reparierte Glas erhielt der Einsender zurück. Für Hochzeitgäste bot man ein Geschenkliste an. Dabei war es möglich eine bestimmte Anzahl an Gläsern zu ordern. Die Gäste konnten sich aus dem Portfolio der Liste ein Geschenk aussuchen und den Kaufpreis hierfür übernehmen. Da man überwiegend selbst den Schliff der Gläser durchführte, bediente die Familie Görner in erster Linie die Wünsche Ihrer Stammkundschaft.

Aus Altersgründen wurde im Jahr 2017 die Firma E. Stanka aufgegeben. Am 01.09.2018 konnte der Verkauf an die heutige Besitzerin Alessandra Moll abgeschlossen werden.

MOLL
2018/2019

Adesl - Service & Maria Theresia - Service
Alle Service
Adels - Service Krug 0,5 mit Wasserglas und Sektschale auf einem Glastisch

„Die Marke E. Stanka begleitet mich schon mein Leben lang.“

Mit diesem Statement antwortet Alessendra Moll, die neue Inhaberin der Glaserei E. Stanka, auf die Frage, warum sie diese Marke übernommen hat. Ihre Eltern sind schon seit ihrer Kindheit begeistert von den edlen Entwürfen und besitzen verschiedene Gläser des Sortiments.

Als Frau Moll im Jahr 2018 erfahren hat, dass Familie Görner sich aus dem Glasgeschäft zurückziehen möchte, bedauerte sie, dass diese traditionsreiche Marke vor dem Aus steht. Das Studium der Kunsthistorik frisch abgeschlossen, fasst sie kurzerhand den Entschluss, die Firma zu übernehmen und ihr zu neuem Glanz zu verhelfen.

„Ich wollte nicht zulassen, dass Stanka-Gläser der Vergangenheit angehören.“ Ferner wünscht sich unsere neue Inhaberin, die Marke im Bereich der Premiumgläser zu etablieren und erneut zur weltweiten Bekanntheit zu führen.

In unserer heutigen Zeit gibt es ein breites Angebot an modernen und neuwertigen Designs – egal ob in Porzellan, Besteck oder Glas. Dennoch besitzen viele Menschen noch ein Bewusstsein für die Schönheit traditioneller Entwürfe. Gerade unsere klassischen, schnörkellosen Formen lassen sich hervorragend mit zeitgemäßen Designs kombinieren. So möchte sich die Glaserei E. Stanka künftig in beiden Feldern positionieren: „ Neben unseren etablierten Glasserien planen wir in Kürze neue zeitgenössische Accessoires zu entwerfen.“, verspricht Frau Moll für die Zukunft.

Die Glaserei E. Stanka steht somit für formvollendete Gläser, deren Klassik, Exklusivität und Eleganz eine Bereicherung für jeden Anlass, wie auch eine gelungene Inneneinrichtung ist.